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Travel diary Sizilien: Was zu tun ist, wenn der Ernstfall im Urlaub eintritt (Teil II)

Wir wuseln uns durch den dichten Verkehr bis zur Via Umberto, eine der Hauptstraßen Catanias. Trotz Einbahnstraßenregelung herrscht reger Verkehr und die Parkplätze sind rar gesät. Wir finden die richtige Hausnummer und parken kurzerhand im Halteverbot, um die Koffer schnell reinzubringen.


Nach leeren Handyakkus, wilden Klingelversuchen und dem Nachfragen beim freundlichen Eisverkäufer gegenüber erhalten wir auch endlich Zugang zum Haus und zu unserer Wohnung. Das wäre also geschafft. Im dritten Geschoss erwartet uns ein herrschaftlicher Palazzo, den wir über eine graue Marmortreppe erreichen. Wir dürfen eins von insgesamt vier Zimmern bewohnen. Unser privates Bad ist gleich eine Tür weiter. Eine ältere Italienerin erklärt uns, dass wir unser Frühstück in der gegenüberliegenden Eisdiele bekommen. „Man sieht sich also immer zweimal im Leben“, dachte ich mir.


Wir lassen uns aufs Bett fallen und stellen die Klimaanlage an und träumen schon von Oktopussalat zum Abendessen, während wir die müden Beine auf dem Bett kurz zur Ruhe kommen lassen. Aber… da war doch was? Richtig, das Auto steht noch im Halteverbot. Meine Freund hüpft also flink vom Bett und macht sich auf den Weg.

Hohe Decken, alter Stuck und gusseiserne Möbel

Währenddessen lasse ich den Raum ein wenig auf mich wirken. „Ein ausgesprochen schönes Zimmer haben wir da bekommen“, dachte ich mir. Hohe Decken, alter Stuck, gusseiserne Möbel, alles ist stimmig. Ich krame meine Spiegelreflexkamera aus der Handtasche und öffne das bodentiefe Fenster. Was für ein Ausblick! Das muss sofort festgehalten werden. Ich fange an zu knipsen. Von unserem kleinen Balkon hat man einen wunderbaren Blick nach links und rechts. Die Via Umberto ist eine der Hauptstraßen Catanias und noch am Ende des Horizonts vermag man ihr Ende nicht zu sehen.


Via Umberto in Catania, Sizilien
Via Umberto in Catania, Sizilien
Via Umberto in Catania, Sizilien

Laute Rufe und dann der Schock: Was war geschehen?

Plötzlich höre ich Rufe. Ich schaue vom Balkon, kann aber keinen Verursacher ausmachen. Die Leute schauen auch schon auf den Straßen. Ich gehe wieder in das Zimmer und schließe das Fenster. Doch die Rufe sind immer noch da, sogar lauter. Ich gehe in den Hausflur vor unser Zimmer und höre es nun ganz deutlich. Er wird doch nicht…? Es sind Hilferufe aus dem Treppenhaus. Ich springe zur Haustür, wirble den Schirmständer dazwischen, um mich nicht komplett auszusperren, und sprinte – so schnell es geht – die steinerne und glatte Mamortreppe, noch barfuß, hinunter. Mein Herz pocht.


Unten angekommen liegt er da, auf dem Rücken vor den letzten Stufen, sich krümmend, mit schmerzverzerrten Gesicht. Vor Schock blieb ich kurz stehen und versuchte die Lage kurz zu begreifen. Ringsherum verteilt lagen Autoschlüssel, Handy und Flip Flops. Er hielt sich den Fuß. Der sah übel aus. Schon jetzt hatte er die dreifache Größe und hatte einen unschönen Winkel. Ansonsten schien er auf den ersten Blick heil zu sein. Ich versuchte ihn zu beruhigen, doch die Schmerzen schienen zu stark. „Denk nach“, sagte ich zu mir selber.


Sein Handy funktionierte schon mal nicht. Kein Empfang in Italien. "Na wunderbar", dachte ich mir. Ich flitzte über die Straße zum freundlichen Eisverkäufer, der uns keine viertel Stunde vorher bei der Schlüsselübergabe behilflich war, und organisierte Eis für den Fuß und einen Krankenwagen, soweit es mich mit meinem Italienisch-Englisch-Mix verständigen konnte. Englisch ist nämlich nicht sonderlich weit verbreitet in Sizilien. An dieser Stelle: Ein hoch auf das deutsche Bildungssystem!


Zurück im Hausflur krümmt er sich immer noch vor Schmerzen. Doch das Eis scheint den Größenzuwachs des Beines zu stoppen. Jetzt kann ich nur noch beruhigend zureden. Geistesgegenwärtig flitzte ich nochmal hoch in unser Zimmer und werfe alles, was wir gebrauchen könnten in meine Handtasche: zweites Handy, Ladegerät, Geld und Karten. Keine fünf Minuten später ist auch schon der Krankenwagen da. Die zwei netten Sanitäterinnen bringen uns ins Hospitale Garibaldi, dass sich auch zum Glück direkt im Zentrum von Catania befindet.


Tatort: Das marmorne Treppenhaus


So schön wie es aussieht, so gefährlich kann es sein.


Tatort Treppenhaus
Tatort Treppenhaus
Tatort Treppenhaus

Den nächsten Teil meines Urlaubstagebuches gibt es bald...